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Tuesday 20. August 2019 09:43

Denkwürdige Jubiläumsfeier

90 Jahre Neue Fürther Hütte und 30. Saison der Hüttenwirtsleute Gabi und Hans Scheuerer

Bis weit nach Mitternacht dringen Musik und fröhliche Unterhaltungen aus unserer Neuen Fürther Hütte im Nationalpark Hohe Tauern. Es muss in der ansonsten eher beschaulichen Unterkunft ein besonderes Ereignis stattfinden: unsere Sektion feiert die Eröffnung der Neuen Fürther Hütte vor genau 90 Jahren am 10.08.2019 und zugleich die 30-jährige Bewirtschaftung durch das Hüttenwirtsehepaar Gabi und Hans Scheuerer.

An diesem Wochenende war die Neue Fürther Hütte ausgebucht: Über 50 Mitglieder der Sektion Fürth, Bergfreunde der Patensektionen Georgensgmünd und Frankenland aus Nürnberg wollten die Jubiläumsfeier miterleben. Als Ehrengäste waren gleich vier Stadtoberhäupter zur Feier angereist: die Bürgermeister Günter Steiner aus Hollersbach, Ben Schwarz aus Georgensgmünd und aus Fürth sowohl Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung als auch Bürgermeister Markus Braun. 

OB Thomas Jung bekannte, ein großer „Fan des Hüttenpaares“ zu sein. Die „Ausstrahlung, Freundlichkeit und Persönlichkeit der Wirtsleute“ mache die Fürther Hütte zu einem besonderen Ort. Die Hütte habe nichts „Bombastisches, sei bescheiden fränkisch, biete aber höchste Qualität“.

Diese Erfahrung dürfte jeder gemacht haben, der schon bei Gabi und Hans auf der Hütte nächtigte. Jedem, der noch nicht auf der Hütte war, sei ein Besuch wärmstens empfohlen. Als Hausberg bietet sich der Larmkogel für eine Besteigung an: der einfache Dreitausender bietet einen herrlichen Ausblick auf die Venedigergruppe.

Weitere Infos zur Hütte mit Tourenvorschlägen

Kontinuität und Verbundenheit

Fürths Oberbürgermeister merkte auch an, dass während der 30 Jahre von Gabi und Hans auf der Neuen Fürther Hütte schon drei Oberbürgermeister in Fürth regierten: „Hier ist viel mehr Kontinuität als im Rathaus.“ Jung, der wie auch Markus Braun Mitglied des Deutschen Alpenvereins ist, hob hervor wie wichtig Erlebnisse in den Bergen seien. Mit einem Scheck in Höhe von zweitausend Euro unterstrich er die Unterstützung der Sektion Fürth durch die Stadt. 

 Auch der Georgensmünder Bürgermeister überreichte einen Scheck in Höhe von 500 Euro. Überhaupt war es ein Abend der Geschenke und der Verbundenheit. Unser 1. Vorsitzende, Werner Hoffmann, führte kurzweilig und mit viel Humor durch die Ehrungen. Es standen natürlich zu allererst Gabi und Hans im Mittelpunkt. Ihr 30-jähriges Wirken wurde von Sektion, den Bürgermeistern, den Vorsitzenden unserer Patensektionen Georgensgmünd und Frankenland in persönlichen Reden als etwas Besonderes gewürdigt und auch unsere Wandergruppe „Die flotten Fürther Füße“ sagte mit einem Geschenk Danke. 

Allein die Anwesenheit von vier Stadtoberhäuptern kann einer Feier einen besonderen Glanz verleihen. Es war ihnen aber anzumerken, wie sehr sie die Verbundenheit der drei Gemeinden Hollersbach, Georgensgmünd und Fürth schätzen. Auch die Vertreter der drei Alpenvereinssektionen machten deutlich, dass die Zusammenarbeit geprägt ist von Wertschätzung und großer persönlicher Verbundenheit. Dass hinter alledem auch viel ehrenamtliches Engagement steckt, zeigte Werner Hoffmann indem er die Vorstände der Sektion kurz vorstellte und auch seiner Frau Geli dankte, die die Jubiläumsfeier mit dem bequemen Bustransport für uns Sektionsmitglieder organisierte.

Alte und Neue Fürther Hütte

Zur Geschichte der Hütte wusste Werner Hoffmann Interessantes zu erzählen. Der Name Neue Fürther Hütte legt nahe, dass es auch eine alte gegeben haben muss. Diese Hütte lag in der Riesenfernergruppe und diente Bergsteigern von 1903 bis 1914 als Unterkunft. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der südliche Teil Tirols Italien zugesprochen, wodurch die Hütte auf italienischem Staatsgebiet lag. Die Sektion Fürth wurde enteignet.

 Der Wunsch nach einer neuen Berghütte keimte bereits Anfang der 1920er Jahre. Bevor die Hütte am 10.08.1929 eröffnet werden konnte, musste eine Baugenehmigung vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein gegeben werden und lange mit der Sektion St. Pölten verhandelt werden, bis sie einen Teil ihres Gebiets für den Standort der Hütte abgab. Im Juni 1928 konnten die Bauarbeiten beginnen. Nach zwei Jahren stand das Gebäude, das heute noch Kern der Hütte ist. 

Ausführliches zur Geschichte der Fürther Hütten lesen Sie hier.

Zahlreiche Umbauten passten die Hütte wachsenden Ansprüchen an. Früher mussten Gäste bei Vollbelegung in zwei Schichten essen, ein Nebenzimmeranbau vergrößerte den Gastraum. Die Küche wurde ausgebaut und ein Anbau mit Trockenraum erweiterte die Hütte nochmals. 2006 erhielt die Hütte eine biologische Kläranlage. Die Materialseilbahn, mit der die Hütte versorgt wird, wurde auf einen Elektroantrieb umgestellt. Die Patensektionen Georgensgmünd und Frankenland unterstützen die Sektion Fürth bei der Unterhaltung der Neuen Fürther Hütte. 

30 Jahre Hüttenwirtsleute: Gabi und Hans Scheuerer 

Einst reizte die Verkäuferin Gabi und den Tischler Hans die Idee, eine Berghütte zu bewirtschaften. So fragten sie einfach die alten Wirtsleute der Neuen Fürther Hütte, wann sie aufhören wollten. Die Übernahme kam sehr schnell: ihre Tochter war erst ein Jahr alt, die Informationen bei Übergabe der Hütte waren wenig detailliert. In ihrem neuen Beruf Hüttenwirt mussten sie vieles lernen und herausfinden, insbesondere wie man Kinder aufzieht. Während der Schulzeit pendelte Gabi zwischen Tal und der Hütte am Wochenende. Montags mussten die Kinder um 6 Uhr morgens in die Schule gebracht werden: den eineinhalbstündigen Hüttenzustieg hinunterlaufen und dann mit dem Auto aus dem Hollersbachtal gefahren werden. 

Ein großer Vorteil für Hüttenwirte in Österreich ist, dass es 9 Wochen Schulferien gibt, die einen guten Teil der Bewirtschaftungszeit abdecken. Für die Kinder aber war es schwierig, weil sich die Freunde im Tal im Schwimmbad treffen konnten und sie hier oben waren. Aber sie haben auch schön in der natürlichen Umgebung der Hütte gespielt erinnert sich Hans. Der Beruf des Hüttenwirts ist für Gabi ein anstrengender, aber sehr erfüllender Job. Es haben mittlerweile schon Interessenten nachgefragt, ob sie demnächst aufhören. Für Gabi steht fest: „Wir wollen so lange auf der Neuen Fürther Hütte bleiben wie es geht.“